Wer bin ich?


Als ich im November 2009 mein 720-Liter-Becken eingerichtet habe, sind auch fünf Scheibensalmler der Gattung Metynnis eingezogen. Gekauft habe ich sie als Metynnis cf. argenteus, was ich als Neuling in dieser Gattung einfach mal so hingenommen habe. Nur ist mir eigen, dass ich solche Sachen lieber ganz genau wissen will. Also habe ich das Internet durchforstet und musste feststellen, dass meine Tiere so gar nicht zu den Abbildungen in der fishbase passen wollten.

Manchmal glaube ich, die Importeure und Händler machen es sich immer ein bisschen leicht mit der Verwendung des cf. im Artnamen. cf steht für confer, vergleiche, und  entbindet den Bestimmer von einer genauen Festlegung. Fairerweise muss man aber sagen, dass junge Metynnis alle ziemlich gleich aussehen und eine Artbestimmung schwerlich ohne „Obduktion“ erfolgen kann. Das ist sicherlich nicht im Interesse eines Händlers, denn tote Fische verkaufen sich schlecht.

Zurück zu meinen „Metynnis cf. argenteus„. Es sind ganz bestimmt keine argenteus! Das ist nach meinen Recherchen so ziemlich ausgeschlossen. Dankenswerterweise stellt der Dresdener Ichthyologe Dr. Axel Zarske seine Publikationen im Internet zur Verfügung. Zarske hat über Jahrzehnte an Salmlern geforscht und gemeinsam mit Jaques Géry die Gattung Metynnis revidiert, und kennt die Materie wie derzeit wohl kein zweiter. Nach dieser Literaturauswertung komme ich zu dem Schluss, dass es sich um Metynnis altidorsalis handelt.

Die verschiedenen morphometrischen Merkmale wie Kiemenreusenzähne, Abdominalzähne (serrae, daher haben sie die Familienbezeichnung Serrasalminae), Schuppenzahlen sind einem Laien natürlich nicht oder nicht ohne weiteres zugänglich. Dafür gibt es gute Anhaltspunkte in der Gestalt, dem Geschlechtsdimorphismus und ansatzweise in der Färbung.

Zunächst der Habitus. Die Tiere sind eher gestreckt als hochrückig und wirken nicht „bullig“ – also mit steil gewölbter Stirnlinie. Auf eine kreisrunde Anmutung, wie Metynnis hypsauchen oder Metynnis argenteus sie im Alter entwickeln bzw. beibehalten, wird das bei diesen Fischen nicht mehr hinauslaufen.

Auch das Verhältnis von Standardlänge zu Länge der Fettflosse spricht für M. altidorsalis. Anhand von Fotografien der Fische habe ich die Maße beider Flossen bestimmt (nicht ganz wissenschaftlich) und ins Verhältnis zur Länge gesetzt. Die Fettflossen haben demnach eine Länge von 16-17% der Standardlänge und liegen damit in dem von Zarske bestimmten Intervall für diese Art.

Schließlich und endlich die Afterflosse: Leider finde ich keine Angaben zur Form und Farbe der Analflossen von Metynnis argenteus, dafür aber für Metynnis hypsauchen, der dem argenteus am nächsten steht. Bei Metynnis hypsauchen sind in der Afterflosse die ersten Flossenstrahlen verlängert, was bei meinen Fischen nicht der Fall ist!

Für mich sind das genug Argumente, um die Tiere als Metynnis altidorsalis zu determinieren. Vorbeisurfende Ichthyologen dürfen gerne kommentieren.

PS: Die Gattung Metynnis bereitet den Fachleuten erhebliches Kopfzerbrechen, da sind die Erstbeschreibungen nicht mehr von Typusexemplaren gedeckt – bzw. man findet sie nicht mehr. Im Mergus sind Arten falsch zugeordnet und im Netz geht’s sowieso drunter und drüber zu. Wenn man das positiv fassen will, könnte man sagen, dass die Gattung taxonomisch herausfordernd ist.

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