Bühne frei für Myleus torquatus


Die Bestimmung der von mir in diesem Jahr erstandenen sechs Myleus-Exemplare hat sich als langwierige Schnitzeljagd mit immer neuen, teils auch falschen Fährten erwiesen. Dennoch, das Rätsel ist gelöst. Bei meinen Tieren handelt es sich um Myleus torquatus (KNER, 1858).

Weibchen von Myleus torquatus. Foto: Enrico Richter.

Anhand des Géry (1977) hatten sich die Fische nicht ganz eindeutig identifizieren lassen. Eine visuelle Bestimmung der Tiere anhand dieses Buches ist auch deshalb nicht ganz einfach, weil dort überwiegend junge oder halbwüchsige Tiere abgebildet sind. Und ausgerechnet Myleus torquatus in schwarz-weiss! Die blau-graue Körperfärbung mit dem gelblichen Grundton der Flossen ist auf diese Weise freilich nicht erkennbar.

Immerhin wurde klar, dass das schwarze Band auf der Schwanzflosse und die schwarzen Flossensäume ein sicheres Kriterium bilden, um Myloplus (Myleus) rubripinnis und seine engsten Verwandten auszuschließen.

Verschiedene andere Rechercheansätze (->Myleus pacu) liefen ins Leere. Dank Enrico Richter ist mir das Jahrbuch 2009 von Aquarium Glaser in die Hände gefallen, wo diese Tiere abgebildet sind und als Myleus torquatus angesprochen werden. Diesmal war es eine farbige Abbildung, die auch die Gelbtöne der Tiere gut zur Geltung brachte. Das war der entscheidende Impuls, dieser Spur doch noch einmal nachzugehen.

Also habe ich nach der Erstbeschreibung bei Kner gesucht. Und tatsächlich, seine Beschreibung von Myletes torquatus passt sehr gut auf meine Fische. Und wenn man die Grafik mit dem Foto vergleicht, sind die Parallelen unverkennbar.

Die Farbbeschreibung wiederum ist etwas heikel. „Rücken bräunlich, Seiten und Bauch silberig, eine nach oben verschwindende schmale, dunkle Binde läuft vom Rücken gegen die Seiten herab und verliert sich über der Spitze der zurückgelegten Brustflosse….“ Diese Art Halskrause hat der Art den Namen torquatus eingetragen, das bedeutet soviel wie „der eine Halskette / gewundenes Halsband (lat. torquis) trägt“. Auf der Abbildung sieht man das ganz deutlich.

Die zuvor erwähnte bräunliche Färbung ist der Konservierung geschuldet und hat nichts weiter zu besagen. Allerdings fällt auf, dass der namensgebende Streifen am Hals der Tiere nicht mehr in Erscheinung tritt: Géry schreibt dazu: „The specimens captured after the types do not show the narrow humeral band described by Kner“, macht jedoch keinen Versuch der Erklärung.

Den Fischen ist der fehlende Streifen sicherlich egal. Sie schwimmen in meinem Becken und freuen sich des Lebens. Und ich bin froh, dass sie endlich einen richtigen Namen haben.

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