Über Beckenmaße und Schwimmfreude


Wenn man sich so umschaut, welche Angaben für die Mindestanforderungen an Beckengröße für die Haltung von Scheibensalmlern gemacht werden, kommt man zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen, die zum Nachdenken anregen.

Zum einen ist es interessant zu sehen, wie sich das Empfinden für die notwendige Beckengröße über die Zeit ändert. In den Zuchtberichten zum Dickkopf-Scheibensalmler, Metynnis schreitmuelleri (von Gosline mit Metynnis hypsauchen und von Zarske und Géry mit Metynnis altidorsalis synonymisiert), aus den 60er Jahren liest man Sätze wie:

„… Scheibensalmler benötigen einen großen Lebensraum für ihr Wohlbefinden und blockieren demgemäß immer eines meiner größten Gesellschaftsbecken von 140 x 50 x 50 cm Länge.“ (H-J. Franke, 1967).

Harald Gossler berichtete im Jahr 1969: „Die 6 M. schreitmuelleri schwammen in einem Becken mit 150 x 50 x 40 cm, vergesellschaftet mit Skalaren und Maronibuntbarschen“.

In beiden Fällen gelangen erfolgreiche Nachzuchten unter für heutige Maßstäbe bescheidenen Verhältnissen. Das erstaunt um so mehr, als nach heutiger Auffassung bedeutend größere Becken erforderlich sind.

Folgt man zum Beispiel den Empfehlungen im Raubsalmler-Forum, sind für die o.g. Maße gerade ausreichend für die kleinen Metynnis lippincottianus, wer z.B. Metynnis hypsauchen halten möchte, die ja auch nur 15 cm groß werden, dem wird schon ein 2-Meter-Becken ans Herz gelegt.

Sehr anders dagegen die englischsprachige Aquaristikszene. Hier werden die Hälterungsempfehlungen ins andere Extrem getrieben. Im Practical Fish Keeping, der englischen DATZ sozusagen, wurden Beckengrößen ab 130 Litern (!!!) angegeben. Das entspricht einem 80 x 40 x40 cm Becken. Leider ist der Artikel nicht mehr online, aber ich habe dennoch den Eindruck, dass die Beckenmaße im englischsprachigen Raum einer anderen Philosophie folgen.

Die spannende Frage ist nun die nach der richtigen Schlussfolgerung. Die Mini-Becken wie sie im Practical Fish Keeping vorgeschlagen werden, sind zweifellos indiskutabel. Die richtige Beckengröße hängt nach meiner Ansicht jedoch nicht nur von der Körpergröße der Fische ab, sondern auch von ihrem Temperament. Meine Metynnis altidorsalis habe ich als flinke, äußerst elegante und präzise Schwimmer erlebt. Nur sind sie nicht im eigentlichen Sinne schwimmfreudig. Sie stehen gerne auch an ihrem Lieblingsplätzchen und harren der Dinge, die da kommen. Becken von 1,30 bis 1,50 m sind daher vollkommen ausreichend. Etwas mehr Tiefe – also 70cm oder mehr ist sicher von Vorteil.

2 Kommentare

  1. Nachtrag: Hailo aus dem Raubsalmler-Forum hat mit seiner Einschätzung für Metynnis hypsauchen recht. Die Art ist sehr schwimmfreudig und diesbezüglich durchaus mit Myleus vergleichbar. Ein 2-m-Becken ist demnach für diese Art völlig angemessen.

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