An den Ufern des Orinoco


Dieses Jahr habe ich einen lange gehegten Traum wahr gemacht: Mit einer Gruppe von vier expeditionserprobten Aquarianern war ich in Südamerika, genauer gesagt in Venezuela. Ausgangspunkt war Puerto Ayacucho, von wo aus es stromabwärts ging. Der für dieses Blog interessanteste Teil der Expedition war die Befahrung des Rio Cinaruco, eines linksseitigen Zuflusses zum Orinoco. Der Cinaruco entspringt irgendwo in den Ausläufern der Anden und fließt ewig lang durch die Llanos. Im Unterlauf konnte ich verschiedene Scheibensalmler und Mühlsteinsalmler nachweisen. Von der Charakteristik her ist der Cinaruco ein Mischtyp aus Klarwasser- und Weißwasserfluss. Der PH-Wert lag bei ca. 6, Temperatur um 28°C, den Leitwert habe ich gemessen, aber nicht notiert! Er war niedrig, soviel ist sicher.

Meine ursprüngliche Idee war, zu Schnorcheln und vielleicht einmal ein Netz zu ziehen. Wegen der zahlreichen Rochen haben wir von letzterem aber Abstand genommen und zum Schnorcheln war es zu trüb. Eine ausgeliehene Stipprute brachte dann den Erfolg. Mit Maisteig habe ich Myleus, Metynnis, Leporinos, Piranhas, Tetragonopterus, Poptella und vieles mehr aus dem Wasser gezogen, was ich sonst nicht zu Gesicht bekommen hätte. Das war übrigens meine Premiere als Angler…

Als erstes ging ein Myleus schomburgki Breitband mit sehr langgezogenen Rückenflossen an den Haken. Das war überhaupt der erste Mühlsteinsalmler dieser Expedition (o.k. Umberto unser, mitreisender Fischer hatte vorher schon einen Mylossoma duriventre in seinem über Nacht ausgelegten Stellnetz).

Etwas weiter stromaufwärts haben wir hinter einer Insel unser Lager aufgeschlagen. Der eine Arm des Flusses war schon fast am Verlanden. Am frühen Morgen bin ich mit der Angel bewaffnet an diesen Flußarm gelaufen und habe dort einige Piranhas,  einen weiteren Myleus schomburgki  und zu guter Letzt einen Metynnis gefangen: Wie zu erwarten war es ein Metynnis orinocensis. Im Aquarium würde ich diese Arten vermutlich nicht zusammen halten, im natürlichen Biotop dagegen stehen sie zusammen!

Noch weiter aufwärts, in einem Seitenarm des Cinaruco, haben wir einen Metynnis hypsauchen gefangen. Das war für mich die große Überraschung. So weit nördlich hätte ich diese Art nicht erwartet. An derselben Stelle haben wir auch eine Myleus-Art gefangen, die ich noch nicht bestimmen konnte. Bevor sie in der Pfanne landeten, habe ich alle Exemplare vermessen und zwei der Myleus als in Alkohol konserviert. Zum Abendessen habe ich mir den zuvor erwähnten Metynnis hypsauchen gesichert, um den Schädel und ein paar Skelettteile mitzunehmen. Leider sind die irgendwann zum Ende der Fahrt abhanden gekommen. Auf so einem Boot geht es eben leicht chaotisch zu…

Auf der Rückfahrt vom Cinaruco haben wir wieder Rast an der besagten Insel. Diesmal wurden wir abends fündig. Neben Metynnis orinocensis haben wir auch Metynnis hypsauchen gefangen. Beide Arten sind also syntop anzutreffen. Das war für mich eine wirkliche Überraschung.

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3 Kommentare

  1. Hallo!
    Wie schmecken denn die Scheibensalmler – bestehen die nicht nur aus Gräten? Habt ihr sie im Ganzen gebraten?
    Gruß
    Michael

    1. Hallo Michael,
      die schmecken nicht besonders -also weder besonders gut noch besonders schlecht. Hydrolycus sind bedeutend besser.
      Viel Fleisch ist an denen wirklich nicht dran. Die lütten Dinger gab es immer am Stück. Frittiert.
      Frito! war demgemäß auch das Schlagwort und der Running Gag dieser Tour.
      Gruß, Marko

      1. Hallo!
        Ah, ok – also mit Gräten gegessen… und nicht ausgenommen vorher? 😮
        Gruß
        Michael

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