Aus der Wissenschaft

Der Prädorsalstachel im Bild


In der wissenschaftlichen Literatur (siehe auch hier) findet man immer wieder den Hinweis, dass Scheibensalmler einen Praedorsalstachel aufweisen. Leider ist der aber in der Regel nicht abgebildet.

Dieser Praedorsalstachel ist typisch für die Mehrzahl der Sägesalmler (Serrasalmidae), wobei jedoch die Gattungen Colossoma und Mylossoma die Ausnahmen von dieser Regel darstellen. Sie besitzen nicht diesen vor der Rückenflosse angeordneten Flossenstrahl.

Für die Gattung Metynnis ist dieser isoliert stehende knöcherne Dorn, dessen Aussehen an einen Pflug erinnert sogar namensgebend: griechisch meta (=mit) und hynnis (= Pflugschar).

Metynnis Prädorsalstachel

Der Prädorsalstachel bei Metynnis. Aus: Sterba, Süßwasserfische der Welt.

Bei den einzelnen Arten gibt es Variationen in der Ausprägung dieses Stachels. Das Grundmuster ist jedoch dasselbe. Der hier abgebildete gehört zu Metynnis maculatus.

Wie treffend der Name Metynnis gewählt ist,
sieht man sehr schön an der Abbildung aus dem Illustrirten Wörterbuch der römischen Alterthümer über den Bau des Holzpfluges. Die Schar ist im Bild mit C bezeichnet. Den ganzen Artikel aus dem altertümlichen Lexikon finden Sie hier.

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So ziemlich jeder Aquarianer hat sich wohl schon einmal die Frage gestellt, was die Namen seiner Fische eigentlich so bedeuten. Aber selbst dem altsprachlich vorbelasteten Fischliebhaber sind diese griechisch-lateinischen Konglomerate nicht immer sofort zugänglich. (mehr …)

Veraltet: Untergattungen bei Myleus


Das 1977 erschienene Buch Characoids of the World des französischen Ichthyologen Jaques Géry ist unter engagierten Aquarianern immer noch sehr präsent und gilt nach wie vor als die Bibel für Salmlerfreunde. In einzelnen Gattungen ist die Forschung jedoch in der Zwischenzeit zu anderen Auffassungen gelangt, weshalb hier die Gattung Myleus noch einmal unter die Lupe genommen werden soll. (mehr …)

Wandernde Salmler


In den späten 70er Jahren hat der US-Forscher Michael Goulding eine umfassende Untersuchung der Wechselwirkung von Vegetation und pflanzenfressenden Fischen durchgeführt. The Fishes and the Forest wurde 1980 veröffentlicht und ist bis heute wegweisend. Die Untersuchungen wurden im Madeira-Becken vorgenommen, genauer am Rio Machado, einem Zufluss zum Rio Madeira.

Im dritten Kapitels seines Buches, entwickelt Goulding Thesen zu den Wanderungsbewegungen großer Salmler, darunter Colossoma, Mylossoma, Brycon, Prochlidus, Triportheus und andere. Die Myleus-Arten sind von den Ausführungen ausdrücklich ausgenommen.

Goulding hat zwei Arten von Wanderverhalten beschrieben, nämlich die Laichwanderung und die Piracema-Wanderung.

1. Die Laichwanderung

Zu Beginn bis zur Mitte der Hochwasserzeit sammeln sich diese Arten im überschwemmten Wald, um anschließend in großen Gruppen aus den Nebenströmen in Richtung des vom Hochwasser trüben Hauptstroms zu wandern. Es ist nicht ganz klar, ob die Tiere anschließend stromaufwärts oder -abwärts wandern. Es gibt jedoch Indizien, die dafür sprechen, dass sich die Fische im Umfeld der Mündung aufhalten und ihrem Laichgeschäft nachgehen.

Nach dem Ablaichen ziehen sie in kleinen Gruppen zurück in den Nebenstrom (teilweise auch in das Überschwemmungsgebiet des Hauptstroms). Dort verteilen sie sich in den überschwemmten Wälder, um dort weiter zu fressen. Goulding schätzt, dass der größte Teil der Fische (er spricht von Biomasse) sich im überschwemmten Wald mit seinen reichen Nahrungsressourcen befindet. Das ist leicht erklärlich, bietet doch das tiefere Wasser der Flüsse (egal ob Haupt- oder Nebenstrom) doch wenig Nahrung für die Pflanzen- und Früchtefresser. In den trüben Wässern reicht der Lichteinfall nicht, um nennenswerte Wasservegetation aufzubauen.

Nach einigen Monaten des „großen Fressens“ ziehen sich die Fische mit Einsetzen des Niedrigwassers in Richtung des Hauptstroms zurück, um wiederum auf Wanderschaft zu gehen.

Pflanzenfresser im Rio Miranda


Wissenschaftliche Aufsätze mit dem Thema Ernährung von Fischen, Nahrungsspezialisierung und Ressourcenverteilung im natürlichen Biotop gibt es ja einige. Ein etwas älterer Aufsatz von Resende, Pereirea und Almeida aus dem Jahr 1998 ist mir aufgefallen, weil die Ergebnisse einer Untersuchung präsentiert werden, in der eine Reihe von herbivoren Sägesalmlern (Metynnis, Myleus und Mylossoma-Arten) vorkommen. Der Titel lautet Herbivore Fische der Auen des Rio Miranda (Peixes herbívoros inundável da planície do rio Miranda, Pantanal, Mato Grosso do Sul, Brasil).

Zu den untersuchten Fischen gehören:

  • Metynnis mola (Eigenmann & Kennedy, 1903)
  • Metynnis maculatus (Kner, 1860)
  • Mylossoma paraguayensis (Norman, 1928)
  • Mylossoma orbinyanum (Valenciennes, 1840)
  • Myloplus levis (Eigenmann & McAtee, 1907)

Im Hobby kommen jedoch eigentlich nur Metynnis maculatus vor, selten noch Metynnis mola. Dennoch sind Analogien zu anderen, in der Aquaristik häufiger anzutreffenden Arten sicherlich zulässig.

Der Fokus der Studie liegt auf der Analyse der Ernährungsgewohnheiten der hier lebenden Fische mit dem Ziel einer nachhaltigen Gewässerbewirtschaftung in einem stark landwirtschaftlich geprägten Gebiet, wo nur noch Reste der tropischen Wälder die Flussufer säumen. Die Sammlungen wurden an verschiedenen Stellen im Unterlauf des Rio Miranda vorgenommen. Die Magenuntersuchungen erfolgten dann später im Labor.

Bei Metynnis mola (109 untersuchte Exemplare) wurden als Mageninhalt Blätter, Wurzeln, Samen, Stengel und Fasern gefunden. Hinzu kamen Algen der Gattungen Microcystis, Volvox, Navicula, Chlorella und Euglena. Je nach Fangstelle schwankte der Anteil von pflanzlichen Bestandteilen im Magen zwischen 45% und 97%. Dort wo die Fische weniger höhere Pflanzen fraßen, lag der Anteil der Algen am Mageninhalt mit 32% und 39% entsprechend höher. Sand und Detritus spielten nur eine untergeordnete Rolle.

Eine Ausnahme bildete ein geflutetes Baggerloch vom Straßenbau. Dort gab es wenig Ufervegetation sowie zwei Arten von Schwimmpflanzen, dafür viel Phytoplankton und Krebstiere (Cladoceren). Entsprechend war der Anteil an diesen Krebstieren im Magen der untersuchten Tiere mit rund 16% vergleichsweise hoch. Erfreulich ist, dass man als Aquarianer dieses Ernährungsmuster ziemlich gut bedienen kann: Cladoceren sind nämlich Wasserflöhe…

Etwas anders sieht es für Metynnis maculatus aus (60 untersuchte Exemplare), der eine noch ausgeprägtere Vorliebe für pflanzliches hat, was in Anteilen von 83% bis 98% des Magenhinhalts zum Ausdruck kommt. In besagtem Baggerloch hatte diese Art 55% höhere Pflanzen im Magen und 42% Algen, jedoch keine der reichlich vorhandenen Krebstiere. Damit ist diese Art noch stärker herbivor orientiert, als ihre Verwandten.

Für Mylossoma und Myloplus konnten aufgrund der geringen Zahlen gefundener Tiere leider keine verlässlichen Aussagen gemacht werden.