Haltung

Vogelfutter


Diesen Artikel wollte ich mal wieder aus dem Fundus holen. Ich halte zwar keine Myleus mehr, aber die Metynnis knabbern genauso leidenschaftlich an den Körnern. Ich füttere sie täglich als kleinen Snack. Wer seinen Fischen etwas Abwechslung bieten will, kann auch Sonnenblumenkerne, Leinsaat, Nüsse und Kürbiskerne anbieten.

Vogelfutter für Fische? Klingt verrückt, ist es womöglich sogar,  es funktioniert aber.

Von einem Beitrag im Raubsalmlerforum, den ich vor längerer Zeit gefunden hatte, habe ich mich inspirieren lassen, meine Scheibensalmler mal mit Hirse zu füttern. In dem Foren-Beitrag ging es um Myleus-Arten, deshalb hatte ich das nicht weiter verfolgt, für die kleinen Metynnis kam das irgendwie nicht in Frage.

Die Hirse-Hafer-Mischung wird gut angenommen.

Da seit kurzem auch ein paar Myleus in meinem Becken schwimmen, habe ich die Idee wieder hervorgekramt und bin zu meinem 15 km entfernten Stammhändler gefahren. Dort habe ich eine 10 g Probierportion Hirse-Hafer-Mischung geholt. Die hat genau 0,01 Euro gekostet, aber das nur am Rande.

Vorsichtig wurden ein paar Körnchen ins Wasser gegeben, um erst einmal zu sehen, ob das Zeug überhaupt absinkt, oder erst eingeweicht werden muss. Es sinkt. Nicht zu schnell, nicht zu langsam. Die Fische nehmen es begeistert auf, was gleichermassen für die Metynnis altidorsalis gilt. Die allerdings haben nicht die gleiche kräftige Bezahnung wie die Myleus, was am Gößenunterschied der Tiere liegen kann (Myleus 10-13 cm, Metynnis 7-9 cm). Jedoch tut das der Begeisterung keinen Abbruch, sie kauen nur länger dran.

Diese Körnermischung kann man nur in kleinen Portionen verabreichen. Die Fische schlucken es zwar gierig, brauchen aber auch Zeit zum Kauen. Die Tiere schälen die kleinen Hirsekörnchen regelrecht und spucken die Hülsen ein paar Sekunden später aus.

Mit rund 350 kcal/100 g bei rund 4% Fett und 10% Eiweiss ist Hirse auch ein nicht zu nährstoffreiches Futter und wird ins Standardprogramm aufgenommen. Mit rund 1,30 Euro pro Kilo ist das auch finanziell interessant. Probieren Sie es aus!

Ein Metynnis sp. aff maculatus knabbert an einem Hirsekorn.

 

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Sommerupdate


Ein halbes Jahr ist seit meinem letzten Eintrag vergangen. Allerdings ist auch nicht viel aufregendes passiert. In erster Linie wachsen die Fische – wenn sie sich nicht gerade umbringen.

Im Bürobecken paddelt eine gemischte Gruppe aus Metynnis altidorsalis und Metynnis sp. aff. maculatus PERU. Von letzteren haben sich leider zwei in den Fischhimmel befördert. Dem einen hat dazu ein drei Zentimeter breiter Spalt in der Deckscheibe genügt. Bitter. Ein anderer von ihnen hat sich hinter dem freistehenden Mattenfilter festgekeilt und ist darin erstickt. Die Mattenfilter vom HMF-Shop lehnen sich ab einer bestimmten Höhe meist gegen die Scheibe. Im unteren Bereich ist genug Abstand, dass die Fische um den Filter herumschwimmen können. Damit entsteht praktisch an einer Scheibe ein keilförmiger Spalt. Einer der Fische muss in Panik in diesen Spalt hineingedonnert sein (Kopf nach oben) und hat es von dort nicht mehr herausgeschafft. Ein heißer Kandidat für den Darwin Award. Als ich das bemerkte, war es längst zu spät. Für die Beckeneinrichtung heißt das, dass es auf eine gute Abdeckung ankommt und dass ein über die Seitenscheibe gehender Mattenfilter die sicherere Variante der Innenfilterung ist.

Auf diesem Bild ist die Beckeneinrichtung gut zu erkennen.

Das große Becken beherbergt nach wie vor ein Gruppe von 9 Metynnis hypsauchen. Die wachsen recht langsam heran. Die Weibchen liegen jetzt bei knapp 10 cm SL und die Männchen – etwas abhängig von der Rangstufe – ein knappes Drittel darunter. Die vermutlich rangniedrigsten sind knapp halb so groß wie die Weibchen. Die Geschlechter sind schon gut zu unterscheiden und das nicht nur an der Größe… Aktuell experimentiere ich ein bisschen mit dem Futter, um diese schönen Scheibensalmler etwas heranzupäppeln.  Von allen meinen Scheibensalmlern sind die M. hypsauchen am wählerischsten, was ihre Nahrung angeht. Die Söll-Standardflakes werden aber überraschend gut angenommen. Ich hoffe, dass sich dieses Futter mit 41% Protein und 18% Fett gut auf das Wachstum auswirken wird. Aber vielleicht schreibe ich dazu bei anderer Gelegenheit noch mehr.

Über Vergesellschaftung


Normalerweise werden Scheibensalmler (zur Erinnerung: hier sind ausschließlich Metynnis gemeint) als Beifische zu anderen Arten gehalten. Sie zu vergesellschaften, ist recht unproblematisch. Sie vertragen sich mit allem, was sie nicht für Futter halten und wovon sie nicht für Futter gehalten werden.

Zu bedenken ist lediglich, dass sich Scheibensalmler vorzugsweise in der Mitte und dem unteren Drittel des Beckens aufhalten und damit in einem Bereich, der meist schon durch Buntbarsche und dergleichen bevölkert wird. Meine Erdfresser haben sich aber nie davon stören lassen.

Auch Fische, die unbedingt Pflanzendickicht benötigen, um ihre innerartlichen Aggressionen zu beherschen, sind keine guten Begleiter. Die Scheibensalmler werden das Dickicht nämlich in kürzester Zeit lichten.

Die Vergesellschaftung mit kleineren Rochen ist möglich, wie man im Video sieht. Zwischen den Myleus rubripinnis paddeln nämlich auch ein paar Metynnis altidorsalis und Metynnis hypsauchen.

 

Über Beckenmaße und Schwimmfreude


Wenn man sich so umschaut, welche Angaben für die Mindestanforderungen an Beckengröße für die Haltung von Scheibensalmlern gemacht werden, kommt man zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen, die zum Nachdenken anregen.

Zum einen ist es interessant zu sehen, wie sich das Empfinden für die notwendige Beckengröße über die Zeit ändert. In den Zuchtberichten zum Dickkopf-Scheibensalmler, Metynnis schreitmuelleri (von Gosline mit Metynnis hypsauchen und von Zarske und Géry mit Metynnis altidorsalis synonymisiert), aus den 60er Jahren liest man Sätze wie:

„… Scheibensalmler benötigen einen großen Lebensraum für ihr Wohlbefinden und blockieren demgemäß immer eines meiner größten Gesellschaftsbecken von 140 x 50 x 50 cm Länge.“ (H-J. Franke, 1967).

Harald Gossler berichtete im Jahr 1969: „Die 6 M. schreitmuelleri schwammen in einem Becken mit 150 x 50 x 40 cm, vergesellschaftet mit Skalaren und Maronibuntbarschen“.

In beiden Fällen gelangen erfolgreiche Nachzuchten unter für heutige Maßstäbe bescheidenen Verhältnissen. Das erstaunt um so mehr, als nach heutiger Auffassung bedeutend größere Becken erforderlich sind.

Folgt man zum Beispiel den Empfehlungen im Raubsalmler-Forum, sind für die o.g. Maße gerade ausreichend für die kleinen Metynnis lippincottianus, wer z.B. Metynnis hypsauchen halten möchte, die ja auch nur 15 cm groß werden, dem wird schon ein 2-Meter-Becken ans Herz gelegt.

Sehr anders dagegen die englischsprachige Aquaristikszene. Hier werden die Hälterungsempfehlungen ins andere Extrem getrieben. Im Practical Fish Keeping, der englischen DATZ sozusagen, wurden Beckengrößen ab 130 Litern (!!!) angegeben. Das entspricht einem 80 x 40 x40 cm Becken. Leider ist der Artikel nicht mehr online, aber ich habe dennoch den Eindruck, dass die Beckenmaße im englischsprachigen Raum einer anderen Philosophie folgen.

Die spannende Frage ist nun die nach der richtigen Schlussfolgerung. Die Mini-Becken wie sie im Practical Fish Keeping vorgeschlagen werden, sind zweifellos indiskutabel. Die richtige Beckengröße hängt nach meiner Ansicht jedoch nicht nur von der Körpergröße der Fische ab, sondern auch von ihrem Temperament. Meine Metynnis altidorsalis habe ich als flinke, äußerst elegante und präzise Schwimmer erlebt. Nur sind sie nicht im eigentlichen Sinne schwimmfreudig. Sie stehen gerne auch an ihrem Lieblingsplätzchen und harren der Dinge, die da kommen. Becken von 1,30 bis 1,50 m sind daher vollkommen ausreichend. Etwas mehr Tiefe – also 70cm oder mehr ist sicher von Vorteil.

pH-Wert als Wohlfühlfaktor für Metynnis


Metynnis altidorsalis ist ein durchaus farbenprächtiger Fisch für seine Gattung. Neben den mehr oder minder roten Kiemendeckeln und der ins rötliche spielenden Bauchpartie bei den Männchen haben die After- und Rückenflossen einen Zug ins Rote. Sehr schön ist auch ein vertikal verlaufender roter Strich in der Schwanzflosse, der fast wie ein Saum verläuft. Nur fast, denn der Saum an sich ist tatsächlich eher farblos.

In der Literatur findet man immer die Aussage, dass Scheibensalmler sehr anspruchslos seien bezüglich der Wasserparameter. Dem möchte ich eine Beobachtung entgegenstellen, die ich beim Wasserwechsel mit vollentsalztem Wasser gemacht habe.

Zur Aufbereitung des Wassers kommt bei mir ein Ionentauscher zum Einsatz. Anfangs hat VE-Wasser einen sehr hohen Gehalt an Kohlensäure, wenn es frisch aus dem Ionentauscher kommt. Der pH-Wert kann nach Messungen, die ich angestellt habe, bis auf 5 abfallen und steigt dann im Laufe von 2-3 Stunden auf rund 7,6 an. Warum Weichwasser nicht identisch ist mit saurem Wasser, wird von Olaf Deters sehr schön auf dieser Seite erklärt.

Dabei ist mir aufgefallen, dass sich die Metynnis-Männchen bei dieser Gelegenheit immer sehr farbenprächtig zeigen. Diese Farbigkeit wird nach meiner Einschätzung durch den geringeren pH-Wert stimuliert. Theoretisch kommen noch andere Effekte in Betracht, die die Farbigkeit der Tiere anspornen (der Frischwassereffekt), allerdings bewirkt eine moderate pH-Absenkung mit Salzsäure auch ohne Wasserwechsel denselben Effekt. Vielleicht ist der Effekt auch der Herkunft der Tiere aus den Schwarzwasserflüssen Guyanas geschuldet.

Um den pH-Wert für die Dauer bis zum nächsten Wasserwechsel einzustellen, verwende ich auf etwa 10% verdünnte Salzsäure, die mit einer Waschflasche (gibt es für wenig Geld im Baumarkt) langsam direkt ins Becken zusetze. Dabei muss man nicht unbedingt tröpfchenweise vorgehen, ein paar Spritzer dürfen es schon sein – hier ist aber Augenmaß gefragt und man sollte sich da vorsichtig herantasten. Ein elektronischer pH-Messer ist für diese Übung sicherlich hilfreich. Es sollte übrigens auch nicht unbedingt die Futterecke sein, die für die Zugabe der Säure verwendet wird.

Insgesamt ist die Färbung bei Metynnis altidorsalis sehr stimmungsabhängig und reicht von grün-gold-silbrig bis schwarz-silber kariert. Die Beeinflussung bestimmter Wasserparameter ist daher nur ein einzelner Baustein für Fische, die ihr volles Potential entfalten. Ein Wert von 6,5 oder leicht darunter hat sich jedenfalls als guter Kompromiss für mein Gesellschaftsbecken herausgestellt.