hypsauchen

Sommerupdate


Ein halbes Jahr ist seit meinem letzten Eintrag vergangen. Allerdings ist auch nicht viel aufregendes passiert. In erster Linie wachsen die Fische – wenn sie sich nicht gerade umbringen.

Im Bürobecken paddelt eine gemischte Gruppe aus Metynnis altidorsalis und Metynnis sp. aff. maculatus PERU. Von letzteren haben sich leider zwei in den Fischhimmel befördert. Dem einen hat dazu ein drei Zentimeter breiter Spalt in der Deckscheibe genügt. Bitter. Ein anderer von ihnen hat sich hinter dem freistehenden Mattenfilter festgekeilt und ist darin erstickt. Die Mattenfilter vom HMF-Shop lehnen sich ab einer bestimmten Höhe meist gegen die Scheibe. Im unteren Bereich ist genug Abstand, dass die Fische um den Filter herumschwimmen können. Damit entsteht praktisch an einer Scheibe ein keilförmiger Spalt. Einer der Fische muss in Panik in diesen Spalt hineingedonnert sein (Kopf nach oben) und hat es von dort nicht mehr herausgeschafft. Ein heißer Kandidat für den Darwin Award. Als ich das bemerkte, war es längst zu spät. Für die Beckeneinrichtung heißt das, dass es auf eine gute Abdeckung ankommt und dass ein über die Seitenscheibe gehender Mattenfilter die sicherere Variante der Innenfilterung ist.

Auf diesem Bild ist die Beckeneinrichtung gut zu erkennen.

Das große Becken beherbergt nach wie vor ein Gruppe von 9 Metynnis hypsauchen. Die wachsen recht langsam heran. Die Weibchen liegen jetzt bei knapp 10 cm SL und die Männchen – etwas abhängig von der Rangstufe – ein knappes Drittel darunter. Die vermutlich rangniedrigsten sind knapp halb so groß wie die Weibchen. Die Geschlechter sind schon gut zu unterscheiden und das nicht nur an der Größe… Aktuell experimentiere ich ein bisschen mit dem Futter, um diese schönen Scheibensalmler etwas heranzupäppeln.  Von allen meinen Scheibensalmlern sind die M. hypsauchen am wählerischsten, was ihre Nahrung angeht. Die Söll-Standardflakes werden aber überraschend gut angenommen. Ich hoffe, dass sich dieses Futter mit 41% Protein und 18% Fett gut auf das Wachstum auswirken wird. Aber vielleicht schreibe ich dazu bei anderer Gelegenheit noch mehr.

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Chaos mit Erkenntniswert


Gestern hätte ich beinahe meine Fische umgebracht. Nach einen großen Wasserwechsel habe ich das Aquarium mit Wasser direkt aus dem Vollentsalzer gefüllt. VE-Wasser ist sehr kohlensäurehaltig und sollte besser zuvor belüftet werden. Bei einem Wasserwechsel von 20-30 Prozent mit entsprechender Wasserbewegung war das jedoch nie ein Problem.

Diesmal aber habe ich nicht weiter auf meine Fische geachtet und erst in letzter Sekunde bemerkt, dass meine Erdfresser nach Luft rangen, unkontrollierte Bewegungen an der Wasseroberfläche machten und sich entlang der Längsachse überschlugen. Hierbei haben die Männchen sich als wesentlich empfindlicher erwiesen als die Weibchen. Mit sofortiger Zugabe von kalkhaltigem Berliner Leitungswasser, starker Belüftung und Beatmung der schwächsten Tiere (mit dem Kescher an der Oberfläche nahe dem Ausströmer halten) konnte ich alle Tiere retten.

Eigentlich erzählich ich diese Geschichte hier aber, weil sie auch etwas über Scheibensalmler lehrt. Während die Geophagus Männchen schon kollabierten, haben die halbwüchsigen Metynnis hypsauchen zwar heftig geatmet, jedoch keine weiteren Anzeichen von akuter Atemnot gezeigt. Offensichtlich kann diese Art kurzfristig auch starken Sauerstoffmangel tolerieren. Zum Glück!

Zur Lebenserwartung von Scheibensalmlern


Wie alt werden Scheibensalmler? Diese Frage hat sich hier schon mancher gestellt. Jetzt bin ich in der DATZ fündig geworden. 2003 berichtete ein Leser der DATZ, dass einer seiner Scheibensalmler im Alter von 14 Jahren und einer Größe von 15,4 cm selig entschlafen sei. Bei dem Tier handelte es sich vermutlich um ein Metynnis hypsauchen Weibchen.

Inwieweit das repräsentativ ist, weiss ich nicht. Zumindest ist es ein Anhaltspunkt.

Das Erbe des schreitmuelleri


Vierzig Jahre nach GOSLINEs Revision der Gattung Metynnis herrscht noch immer heillose Verwirrung bezüglich der vermeintlichen Identität von Metynnis altidorsalis und Metynnis hypsauchen. Vor gut zehn Jahren stellten ZARSKE und GÉRY eine neue Revision vor, die das richtiggestellt hat. Jedoch hat es den Anschein, als müssten noch 30 Jahre vergehen, bis sich das Durcheinander legt.

Metynnis altidorsalis_male_adult

Ausgewachsenes Männchen von Metynnis altidorsalis.

Am Anfang der Geschichte stand Schreitmüllers Scheibensalmler. Dieser stand nomenklatorisch gesehen von Beginn an unter einem schlechten Stern, weil SCHREITMÜLLER diese Art als Metynnis calichromus schreitmuelleri und damit als Unterart einer noch gar nicht beschriebenen Art publiziert hat. Eigentlich ein Desaster.

Männchen von Metynnis hypsauchen. Foto: Enrico Richter.

Später schwamm dieser Fisch über Jahrzehnte als Metynnis schreitmuelleri in den hiesigen Aquarien. Bis STERBA 1969 mit seinem Artikel Zur Systematik der Scheibensalmler die Revision von GOSLINE hierzulande ins Bewusstsein der Aquarianer rückte. GOSLINE hatte 1951 seine Notes on the characid fishes of the subfamily Serrasalminae veröffentlicht, worin er die Gattung auf 6 Arten zusammengestutzt hatte. In diesem Zuge hat der den Namen Metynnis schreitmuelleri eingezogen und mit Metynnis hypsauchen synonymisiert. Das war ein ziemlicher Missgriff!

ZARSKE hat die Ehre des Dickkopfscheibensalmlers wiederhergestellt, indem er -wie in diesem sehr lesenswerten Artikel ausgeführt- der aquaristisch-nomenklatorischen Historie dieses Fisches nachgespürte und ihn als Metynnis altidorsalis identifiziert hat. Anhand der Bilder wird der Unterschied leicht ersichtlich. Sowohl der Habitus der Tiere als auch die Form der Afterflosse erlauben eine leichte Unterscheidung der beiden Arten.

Wenn jetzt noch der falsche Name von den Stocklisten des einen oder anderen Händlers verschwände, wir könnten dann allmählich einmal heraustreten aus dem Schatten des Herrn Schreitmüller.

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Mal wieder cf. argenteus


Als ich vor 1 1/2 Jahren meine ersten Scheibensalmler erstanden habe, waren das Fische, die unter dem Namen Metynnis cf. argenteus in den Handel gekommen waren. Nach langem hin und her habe ich sie dann als Metynnis altidorsalis determiniert.

Mein Stammhändler hatte jetzt wieder mal einen Metynnis cf. argenteus im Angebot. Nur diesmal weiss ich schon ein bisschen mehr als damals und bin mir recht sicher, dass es Metynnis hypsauchen sind. Wieso zwei so leicht unterscheidbare Arten unter dem selben Namen im Handel sind, muss ich mir bei Gelegenheit mal von dem im Norden Berlins ansässigen Großhändler erklären lassen.

Trupp junge Metynnis hypsauchen. Ca. 4-5 cm SL.

Irgendwo im Netz habe ich mal gelesen, dass man am besten sieben Scheibensalmler mitnehmen soll, also habe ich gleich neun einpacken lassen. Beim Einsetzen haben sie sich ausgesprochen ruhig gezeigt und sind binnen Minuten ganz entspannt in kleinen Gruppen durchs Becken gezogen. Kein ängstliches Schwärmen, keine Flucht hinter den HMF. Das war für mich schon etwas verblüffend, denn die altidorsalis haben sich da immer ganz anders verhalten.

Es zeigt sich mal wieder, dass die Fische Unterstände sehr mögen, denn die linke Ecke des Beckens mit einem bis an die Oberfläche ragenden, verzweigten Holz ist sofort zur Lieblingsecke erkoren worden. Mit einer Ausnahme. Einer der neuen ist offenbar ein Philosoph; er hält sich vom Trubel der anderen fern, steht unbeweglich in der entgegengesetzten Ecke des Beckens und grübelt. Nennen wir ihn einfach Diogenes.

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