lippincottianus

Metynnis lippincottianus in XL


Metynnis lippincottianusDiese Metynnis lippincottianus habe ich vor einer Weile in einem Händlerbecken entdeckt. Aufgefallen sind sie mir aufgrund ihrer beachtlichen Größe -die hatten locker ihre 10-12 cm Standardlänge- und ihrer eckigen Körperform. Rechts zum Vergleich einen geradezu zwergenhaften Metynnis lippincottianus aus meinem eigenen Bestand.

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Überlebenskünstler


Scheibensalmler sind hart im Nehmen. Das hat sich in unterschiedlichen Situationen mehrfach erwiesen. In der Vergangenheit hatten Metynnis hypsauchen schon akuten Sauerstoffmangel überstanden und Metynnis altidorsalis einen Heizungsausfall mit Temperaturabfall auf 15°C.

Diesmal gab es wieder einen Heizungsschaden, diesmal jedoch hat sich die Heizung nicht abgeschaltet. In der Folge hat der Heizer (ein Tetratec ProLine 250) das 300l-Becken, in dem sich Metynnis lippincottianus und Metynnis orinocensis befinden, bis auf 37,7 °C auf. Das hat sämtliche Beifische das Leben gekostet: Paracheirodon innesi, Lonchogenys ilisha, Gasteropelecus sternicla. Die Scheibensalmler aber haben es -bis auf einen- überstanden! Das war auf jeden Fall grenzwertig und viel Spielraum nach oben wäre nicht mehr gewesen. Ein Metynnis orinocensis ist dem Vorfall zum Opfer gefallen und ein weiterer hing schon an der Oberfläche, um etwas mehr Sauerstoff zu bekommen. Gemessen am Gesamtschaden haben sie sich aber extrem gut gehalten.

Fazit: Auch wenn bei allen diesen Vorkommnissen verschiedene Arten im Spiel waren, lässt sich für mich daraus ableiten, dass Metynnisarten im Aquarium äußerst robust sind und einiges an Pflegefehlern und Technikproblemen tolerieren. Anfängerfische sind die trotzdem nicht.

 

Es gibt Fisch!


Gelegenheit macht Allesfresser. Oder Aasfresser. Je nachdem, was sich gerade anbietet. An und für sich ernähren sich Metynnis ja überwiegend von Pflanzen, Algen, Krebstieren und ähnlichem. Myleus sind überwiegend als Früchtefresser einzustufen. Allerdings gehen Fische beider Gattungen auch an Aaas, wenn der Tisch entsprechend gedeckt ist.

Im Aquarium konnte ich beobachten, wie ein sterbender Silberbeilbauch (Gasteropelecus sternicla) von einer Gruppe aus Metynnis lippincottianus und Metynnis orinocensis Stück für Stück zerlegt wurde, während er noch zappelte. Erst wurde der Schwanz abgebissen, dann Stücke aus dem Bauch und vom Kopf, wobei die Scheibensalmler sich um die Beute gestritten haben und mit dem Beilbauch im Maul durchs Becken gestürmt sind. Nach knapp fünf Minuten war nur noch das dicke Rückenstück übrig, welches nicht so leicht abzubeißen war. Kurz darauf war der Beilbauch nur noch Erinnerung.

Nun ist das kein Aquarienphänomen, sondern kommt in der Natur genauso vor, wie dieses Video zeigt. Es handelt sich anders als im Titel angeführt, nicht um Piranhas, sonders um Myleus setiger. Der Serrasalmus im Bild hat gar nicht die Gelegenheit, von dem großen Saugwels abzubeißen.

Über Metynnis lippincottianus


Metynnis lippincottianus ist innerhalb ihrer Gattung die Art mit den meisten Synonymen. Von Cope 1878 zunächst in die damals noch gebräuchliche Sammelgattung Myletes gestellt, wurde die Art später noch neun weitere Male beschrieben. Darunter von Steindachner als Myletes (Metynnis) orbicularis, von Eigenmann zweimal und von Ahl sogar fünf Mal (eigenmani, dungerni, heinrothi, seitzi, snethlagae). Auf Eigenmann geht der Name Metynnis roosevelti zurück, der seit Goslines Revision von 1951 eigentlich hinfällig und doch auch heute noch gelegentlich anzutreffen ist.

Im deutschen wird die Art leider häufig als „Gefleckter Scheibensalmler“ bezeichnet, was aber mit Blick auf den eigentlich so genannten Metynnis maculatus irreführend ist. Richtiger wäre es, die Art als Lippincotts Scheibensalmler anzusprechen, denn sie wurde amerikanischen Naturforscher James S. Lippincott zu Ehren so benannt.

An und für sich sind die Tiere leicht zu identifizieren: M. lippincottianus gehört zu den gestreckteren Arten, die Höhe beträgt bei ausgewachsenen Tieren ca 80% der Standardlänge (SL). Für die Standortvariante aus französisch Guyana wird sogar eine Höhe von nur rund 70% SL angegeben.

Die Grundfärbung der Tiere ist grün-golden. Die Seiten sind recht gleichmäßig mit Flecken übersät, die mehr oder weniger den Pupillendurchmesser haben. Die unpaarigen Flossen sind kräftig schwarz gesäumt, in der Schwanz- und Rückenflosse auch mit mehr oder weniger kräftigem rot-orange. Auf der Schulter zeigen insbesondere männliche Tiere einen kräftigen orangen Fleck, sowie einen darüber liegenden, aber nur stimmungsabhängig sichtbaren schwarzen Schulterfleck. Die Schwarzanteile können auch durchaus größer werden. Bei aggressiv gestimmten Männchen kann sich die Schwarzfärbung auch auf Bereiche unterhalb der Seitenlinie ausdehnen, was dann etwas an einen Backenbart erinnert.

Dieses Video mit den prunkenden Metynnis lippincottianus finde ich so schön, dass ich es gern noch einmal zeige. Am Ende schwimmt übrigens noch ein Weibchen in die Szenerie. Diese werden ja leider nicht sehr häufig gezeigt.

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Aus Freude an Farbe


Metynnis stehen nicht unbedingt in dem Ruf, farbenfrohe Fische zu sein. Der im Englischen verwendete Trivialname Silberdollar ist sozusagen die schmeichelhafte Umschreibung dieser Tatsache. Gerade junge Tiere kommen oft recht einfarbig silbern daher. Meist schmeichelt lediglich die Afterflosse dem Auge mit mehr oder weniger viel Anteil an Rot, welcher dann von den Händlern entsprechend intensiv beworben wird.

Metynnis sp. Onigiri (vermutlich M. polystictus). Mit freundlicher Genehmigung von Amazon Exotic Import.

Eine gewisse Ausnahme stellen die gefleckten Species dar, vor allem Metynnis lippincottianus, aber auch einige Farbschläge von
Metynnis maculatus oder die vor Jahren als Metynnis sp. Onigiri importierten Tiere (vermutlich Metynnis polystictus).
Welches nun die schönsten Scheibensalmler sind, vermag ich nicht zu beantworten. Meine persönliche Vorliebe gilt eher der ausgefallenen Form als der ausgeprägten Farbigkeit.

Ein schönes Beispiel für sehr farbenprächtige Scheibensalmler liefern diese Metynnis lippincottianus im Video. Es ist zwar mit Metynnis maculatus betitelt, aber wem schenken Sie Glauben?