Meinung

Lob der alten Fische


Scheibensalmler gehören zu den Fischen, die erst mit dem Alter richtig schön werden. Es gibt genügend Beispiele aus anderen Gattungen, wo Fische mit sehr attraktiven Jugendfärbungen imponieren (sehr zur Freude der Händler), die sich mit dem Alter in eine monochrome Unfarbe verwandeln. Bei Scheibensalmlern und den meisten Mühlsteinsalmlern ist es genau anders herum (sehr zum Leidwesen der Händler).

In ihrer Jugend sehen sie nämlich alle irgendwie gleich aus, von möglichen Fleckungen einmal abgesehen. Es sind kleine, auf der Spitze stehende silberne Vierecke. Je nach Art manchmal etwas getupft, aber auch das meist noch recht dezent. In diesem unscheinbaren Zustand warten sie also auf Käufer. Erschwerend kommt hinzu, dass die jungen Fische nahezu unmöglich zu bestimmen sind. Man ist hier also auf Gedeih und Verderb auf die Aussage des Händlers angewiesen. Und die ist, wie hier schon mehrmals erwähnt, selten zutreffend.

Bei artgerechter, d.h. pflanzenbetonter und eiweissarmer Ernährung sind die meisten Scheibensalmler in einem Alter von etwa einem Jahr annähernd ausgewachsen, wobei auch danach noch ein langsames (Längen-)Wachstum stattfindet. Dann erst erreichen sie Ihre charakteristische Körperform. Je nach Art kann das mehr gestreckt sein wie z.B. Metynnis altidorsalis oder M. lippincottianus oder sehr steilstirnig wie Metynnis hypsauchen.

Auch stimmungsabhängige Färbungen intensivieren sich bei Alttieren gewaltig. Ein Schulterfleck, der bei einem jungen Metynnis altidorsalis (ca 6 cm) ein stecknadelkopfgroßes schwarzes Pünktchen ist, wird beim halbwüchsigen Tier zu einem kräftigen Doppelpunkt (ober- und unterhalb der Seitenlinie). Bei einem Alttier kann es sogar zu einer beinahe die gesamten Flanken füllenden Färbung werden. Das sieht dann schon beeindruckend aus! Das soll es ja auch – zumindest im Hinblick auf die Rivalen.

Wer also mit der Anschaffung von Scheibensalmlern liebäugelt, sollte etwas Geduld und gute Hoffnung mitbringen. Die langweiligen kleinen Vierecke werden sich in aller Regel zu sehr ansehnlichen Fischen entwickeln.

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Die verflixte Fünf


Salmler sind Schwarmfische ist einer jener goldenen Sätze in der Aquaristik, die oft ausgesprochen werden, doch nur selten Gehör finden. Angesichts häufig schon dicht besetzter Aquarien lautet der Kompromiss meistens: „Also gut, dann nehme ich fünf.“

Was ist nun falsch daran? Im Prinzip nichts. In einer Gruppe von fünf Tieren können die Fische ihr Sozialverhalten ohne weiteres ausleben. Man riskiert aber, dass das Geschlechterverhältnis sehr ungünstig ausfällt.

Rein von der Wahrscheinlichkeit wird man meist beide Geschlechter haben. Jedoch sind nach meiner Erfahrung 1:4 Konstellationen recht häufig anzutreffen. Meistens sind die  Männchen in der Überzahl. Aber auch den umgekehrten Fall habe ich schon gesehen.

Will man die Tiere zur Fortpflanzung bringen, kann sich so ein unausgewogenes Geschlechterverhältnis allerdings rächen. Ein 2:5-Verhältnis ist hierbei um einiges besser als 1:4.

Wann immer möglich sollte man daher eine Gruppe von mindestens sieben Tieren erwerben. Die Chancen, einen ausgewogeneren „Schwarm“ zu bekommen, steigen durch diese relativ kleine Mehrinvestition enorm.

Übrigens umfassen Restposten auf wundersame Weise auch fast immer fünf Tiere. Achten Sie mal darauf beim Sichten der Stocklisten Ihres Händlers. Hier gilt: Augen zu und durch! Schnäppchenjäger können nicht wählerisch sein. Späteres Aufstocken ist aber wegen der Unsicherheiten bei der Artbestimmung heikel.

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Über Beckenmaße und Schwimmfreude


Wenn man sich so umschaut, welche Angaben für die Mindestanforderungen an Beckengröße für die Haltung von Scheibensalmlern gemacht werden, kommt man zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen, die zum Nachdenken anregen.

Zum einen ist es interessant zu sehen, wie sich das Empfinden für die notwendige Beckengröße über die Zeit ändert. In den Zuchtberichten zum Dickkopf-Scheibensalmler, Metynnis schreitmuelleri (von Gosline mit Metynnis hypsauchen und von Zarske und Géry mit Metynnis altidorsalis synonymisiert), aus den 60er Jahren liest man Sätze wie:

„… Scheibensalmler benötigen einen großen Lebensraum für ihr Wohlbefinden und blockieren demgemäß immer eines meiner größten Gesellschaftsbecken von 140 x 50 x 50 cm Länge.“ (H-J. Franke, 1967).

Harald Gossler berichtete im Jahr 1969: „Die 6 M. schreitmuelleri schwammen in einem Becken mit 150 x 50 x 40 cm, vergesellschaftet mit Skalaren und Maronibuntbarschen“.

In beiden Fällen gelangen erfolgreiche Nachzuchten unter für heutige Maßstäbe bescheidenen Verhältnissen. Das erstaunt um so mehr, als nach heutiger Auffassung bedeutend größere Becken erforderlich sind.

Folgt man zum Beispiel den Empfehlungen im Raubsalmler-Forum, sind für die o.g. Maße gerade ausreichend für die kleinen Metynnis lippincottianus, wer z.B. Metynnis hypsauchen halten möchte, die ja auch nur 15 cm groß werden, dem wird schon ein 2-Meter-Becken ans Herz gelegt.

Sehr anders dagegen die englischsprachige Aquaristikszene. Hier werden die Hälterungsempfehlungen ins andere Extrem getrieben. Im Practical Fish Keeping, der englischen DATZ sozusagen, wurden Beckengrößen ab 130 Litern (!!!) angegeben. Das entspricht einem 80 x 40 x40 cm Becken. Leider ist der Artikel nicht mehr online, aber ich habe dennoch den Eindruck, dass die Beckenmaße im englischsprachigen Raum einer anderen Philosophie folgen.

Die spannende Frage ist nun die nach der richtigen Schlussfolgerung. Die Mini-Becken wie sie im Practical Fish Keeping vorgeschlagen werden, sind zweifellos indiskutabel. Die richtige Beckengröße hängt nach meiner Ansicht jedoch nicht nur von der Körpergröße der Fische ab, sondern auch von ihrem Temperament. Meine Metynnis altidorsalis habe ich als flinke, äußerst elegante und präzise Schwimmer erlebt. Nur sind sie nicht im eigentlichen Sinne schwimmfreudig. Sie stehen gerne auch an ihrem Lieblingsplätzchen und harren der Dinge, die da kommen. Becken von 1,30 bis 1,50 m sind daher vollkommen ausreichend. Etwas mehr Tiefe – also 70cm oder mehr ist sicher von Vorteil.

Scheibensalmler kaufen


Scheibensalmler kauft man nicht, sie finden einen. Jedenfalls ging mir das bislang immer so. Sie sind immer wieder mal im Handel und mit etwas Glück macht man ein Schnäppchen, oder noch besser: Man findet etwas besonderes.

Sofern man nicht auf eine bestimmte Art festgelegt ist, genügt es, mit offenem Blick durch die Läden der Umgebung zu gehen. Zwar gehören Scheiben- und Mühlsteinsalmler nicht zum Standardsortiment, aber einen Metynnis lippincottianus kann man unter Umständen sogar im Baumarkt bekommen. Myloplus (Myleus) rubripinnis sind auch sehr regelmäßig im Zoohandel vertreten.

Nicht selten nimmt sie ein Händler ins Sortiment und wird sie über Monate nicht los. In dieser Lage hilft er der Kaufentscheidung eines potentiellen Kunden gern auch mit einem kräftigen Preisnachlass nach, wenn dieser  die gesamte Gruppe abnimmt. Hier ist also geduldiges Jagen und Sammeln und etwas Lust am Feilschen angesagt.

Es gibt eine Reihe von Händlern, die regelmäßig solche Fische auf der „Stockliste“ haben. Auf jeden Fall lohnt sich auch der Blick in die Kleinanzeigen.

Auf die Beschriftung der Becken,  Namen auf der Stockliste oder im Inserat sollte man aber nicht allzuviel geben. Hier wird leicht jeder nicht-getupfte Scheibensalmler zu einem Metynnis argenteus und jeder Myleus ohne schwarze Binde zum rubripinnis. In diesem Zusammenhang sind aber nicht nur die Händler in der Verantwortung, sondern auch die Exporteure, die schlicht Silver Dollars oder Spotted Silver Dollars auf die Liste schreiben, sowie Importeure und Großhändler, die diese Bestimmungen oft auch mangels Expertise nicht verifizieren. Leider werden dort die Bestimmungen mitunter etwas lax vorgenommen.

Das alles macht es schwierig, diese Tiere gezielt zu kaufen, aber, wie gesagt, die Tiere finden einen am Ende immer. Auch wenn es ganz andere sind, als ursprünglich gedacht.

Nachtrag: Wer Scheibensalmler kauft, sollte darauf gefaßt sein, diese Fische für 10 oder mehr Jahre im Aquarium zu haben. Denn es sind langlebige Fische, für die es kaum einen Sekundärmarkt gibt. Mit anderen Worten, man wird sie schwer wieder los. Dies sollte man vor dem Kauf bedacht haben.

Verantwortungsvolles Handeln kann in diesem Fall auch heißen, auf den Kauf von frisch importierten Jungfischen zu verzichten und lieber welche aus zweiter Hand zu übernehmen. Dies gilt umso mehr, wenn man es mit Scheibensalmlern „nur mal ausprobieren“ will.

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Im Juli-Newsletter von Aquarium Glaser wurden diese hübschen Tierchen als Metynnis lippincottianus vorgestellt. Inzwischen sind sie im Zoohandel angekommen und schwimmen dieser Tage  in den Becken zahlreicher Zoogeschäfte. Diese hier in einer Berliner Fressnapf-Filiale.

Es gibt aber gute Gründe anzunehmen, dass es sich um etwas anderes als Metynnis lippincottianus handelt. Selbst bei Glaser wurde diese Artbezeichnung unter Vorbehalt vergeben, aber was nützt das, wenn diese im Handel unhinterfragt auf die Becken geschrieben wird? Hier wird ohne Not Verwirrung in der Aquaristik-Szene gestiftet. Ein beherztes sp. HERKUNFT wäre mir in einem solchen Fall lieber. (mehr …)