mola

Pflanzenfresser im Rio Miranda


Wissenschaftliche Aufsätze mit dem Thema Ernährung von Fischen, Nahrungsspezialisierung und Ressourcenverteilung im natürlichen Biotop gibt es ja einige. Ein etwas älterer Aufsatz von Resende, Pereirea und Almeida aus dem Jahr 1998 ist mir aufgefallen, weil die Ergebnisse einer Untersuchung präsentiert werden, in der eine Reihe von herbivoren Sägesalmlern (Metynnis, Myleus und Mylossoma-Arten) vorkommen. Der Titel lautet Herbivore Fische der Auen des Rio Miranda (Peixes herbívoros inundável da planície do rio Miranda, Pantanal, Mato Grosso do Sul, Brasil).

Zu den untersuchten Fischen gehören:

  • Metynnis mola (Eigenmann & Kennedy, 1903)
  • Metynnis maculatus (Kner, 1860)
  • Mylossoma paraguayensis (Norman, 1928)
  • Mylossoma orbinyanum (Valenciennes, 1840)
  • Myloplus levis (Eigenmann & McAtee, 1907)

Im Hobby kommen jedoch eigentlich nur Metynnis maculatus vor, selten noch Metynnis mola. Dennoch sind Analogien zu anderen, in der Aquaristik häufiger anzutreffenden Arten sicherlich zulässig.

Der Fokus der Studie liegt auf der Analyse der Ernährungsgewohnheiten der hier lebenden Fische mit dem Ziel einer nachhaltigen Gewässerbewirtschaftung in einem stark landwirtschaftlich geprägten Gebiet, wo nur noch Reste der tropischen Wälder die Flussufer säumen. Die Sammlungen wurden an verschiedenen Stellen im Unterlauf des Rio Miranda vorgenommen. Die Magenuntersuchungen erfolgten dann später im Labor.

Bei Metynnis mola (109 untersuchte Exemplare) wurden als Mageninhalt Blätter, Wurzeln, Samen, Stengel und Fasern gefunden. Hinzu kamen Algen der Gattungen Microcystis, Volvox, Navicula, Chlorella und Euglena. Je nach Fangstelle schwankte der Anteil von pflanzlichen Bestandteilen im Magen zwischen 45% und 97%. Dort wo die Fische weniger höhere Pflanzen fraßen, lag der Anteil der Algen am Mageninhalt mit 32% und 39% entsprechend höher. Sand und Detritus spielten nur eine untergeordnete Rolle.

Eine Ausnahme bildete ein geflutetes Baggerloch vom Straßenbau. Dort gab es wenig Ufervegetation sowie zwei Arten von Schwimmpflanzen, dafür viel Phytoplankton und Krebstiere (Cladoceren). Entsprechend war der Anteil an diesen Krebstieren im Magen der untersuchten Tiere mit rund 16% vergleichsweise hoch. Erfreulich ist, dass man als Aquarianer dieses Ernährungsmuster ziemlich gut bedienen kann: Cladoceren sind nämlich Wasserflöhe…

Etwas anders sieht es für Metynnis maculatus aus (60 untersuchte Exemplare), der eine noch ausgeprägtere Vorliebe für pflanzliches hat, was in Anteilen von 83% bis 98% des Magenhinhalts zum Ausdruck kommt. In besagtem Baggerloch hatte diese Art 55% höhere Pflanzen im Magen und 42% Algen, jedoch keine der reichlich vorhandenen Krebstiere. Damit ist diese Art noch stärker herbivor orientiert, als ihre Verwandten.

Für Mylossoma und Myloplus konnten aufgrund der geringen Zahlen gefundener Tiere leider keine verlässlichen Aussagen gemacht werden.

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