Myleus

Scheue Fische (2)


Neben der Fluchtdistanz ist Gewöhnung der zweitwichtigste Faktor. Fische sind lernfähig. Deshalb ist es eine gute Strategie, regelmäßig vor dem Becken präsent zu sein. Wenn häufig Störungen erfolgen, dann baut sich eine gewisse Stressresistenz bei den Scheibensalmlern auf. Das ist auch der Effekt im Händlerbecken, wo ständig Publikum in gewissem Abstand vorbeizieht. Für meine eigenen Tiere bin ich dazu übergegangen, möglichst oft vor das Becken zu treten, natürlich zum obligaten Morgenkaffe aber durchaus auch zum Zähneputzen und ähnlichen nicht ortsgebundenen Tätigkeiten.

Der Faktor Licht kann die Furchtsamkeit der Fische sowohl steigern als auch dämpfen. Ein gedämpftes Licht ist eine gute Basis für die erfolgreiche Haltung von Scheiben- und Mühlsteinsalmlern. Andererseits habe ich die Erfahrung gemacht, dass eine helle Umgebung (z.B. die Sonne, die ins Zimmer scheint) eher ungünstig ist. Der Betrachter wirkt im Gegenlicht auf die Fische besonders groß und furchteinflößend. Deswegen sollte das Becken heller erleuchtet sein als das Umfeld. Am besten ist natürlich gedämpftes Licht überm Becken und ein vergleichsweise dunkler Raum. Wer seine Fische vorzugsweise abends betrachtet, hat das ganz automatisch…

Allerdings sollte man unter keinen Umständen das Licht einschalten, wenn sich die Tiere in der Nachtruhe befinden! Dies gilt nicht nur für die Beckenbeleuchtung, sondern auch für das Licht im Zimmer. Hier ist mit heftigen Panikattacken zu rechnen. Lässt sich diese Störung nicht vermeiden, ist es besser, zunächst eine weiter entfernte und schwache Lichtquelle zu verwenden, damit die Tiere „umschalten“ können. Generell würde ich eine Dimmung empfehlen. Das ist kein muss, kann aber zu interessanten Beobachtungen führen.

Wenn alle Faktoren in sinnvoller Weise zusammentreffen, muss man sich um die Scheiben- und Mühlsteinsalmler keine Sorgen machen. Sie werden ohne Scheu ihre Schönheit und ihr reiches Verhaltensrepertoire präsentieren.

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Scheue Fische (1)


Scheibensalmler gelten als eher scheue Fische. Für meine Myleus torquatus kann ich das ohne Einschränkung bestätigen, für die Metynnis altidorsalis schon weniger. Allerdings werden auch sie in der älteren Literatur als schreckhaft beschrieben.

Gleichzeitig kann man aber festzustellen, dass sich z.B. in Zoogeschäften immer wieder Tiere mit erstaunlicher Toleranz gegenüber Störungen zeigen. Es geht also offensichtlich auch anders. Aber woran liegt das?

Nach meiner Einschätzung ist ist die Fluchtdistanz der wichtigste Faktor. Mein 720er Becken hat zwei Meter Kantenlänge bei 60 cm Tiefe. Die Tiere reagieren ganz anders, wenn ich von der Längsseite ins Becken schaue oder daran herantrete oder von der Schmalseite. Bei letzterer haben die Tiere eine Fluchtdistanz von bis zu zwei Metern, was ihnen viel Sicherheit gibt. Sie sind dann durchaus unscheu und nähern sich bis auf einige Zentimeter.

Ganz anders bei der Längsseite: Hier beträgt die Fluchtdistanz nur 60 cm und die Tiere müssen sich entscheiden, ob sie dem „Fressfeind“ nach rechts oder links ausweichen. Das führt in der Regel dazu, dass sich der Schwarm teilt und einige Tiere in die eine und einige in die andere (falsche) Richtung bewegen. Diejenigen Fische, die die falsche Seite wählen, reagieren oft entsprechend panisch und stoßen sich beim Wenden oft genug den Kopf an den Seitenscheiben. Sitzt man dann eine Weile ruhig vor dem Becken, ändert sich das freilich auch wieder.

Auch bei anderen Haltern von Myleus-Arten habe ich diese Beobachtung gemacht. Sofern genügend Beckentiefe vorhanden ist, kann man vor dem Becken Gymnastik-Übungen vollführen, ohne dass die Tiere sich in irgend einer Form beeeindruckt zeigen. Man könnte in diesen Fällen fast sagen, dass Scheibensalmler so heißen, weil sie sich an der (Front)Scheibe aufhalten.

Bei meinem schmalen Becken hat es sich jedenfalls bewährt, sich vor der Scheibe immer in einem Bogen zu bewegen. Das lässt dem Myleus torquatus-Schwarm genug Raum, um ohne hektische Bewegungen von einer Seite zur anderen zu wechseln.

Hier geht es zur Fortsetzung.

Augenschmaus


Hier mal wieder etwas für die zahlreichen Freunde des Myleus schomburgkii. Diese schönen Tiere (beides Männchen) schwimmen bei meinem Freund Rico in rund 5000 Litern.

Von Myleus schomburgkii werden typischerweise drei Varianten unterschieden. Diese kann man sehr schön einmal auf dieser Fotoseite miteinander vergleichen. Leider ist zu dieser Frage keine Literatur zu finden. Bleibt auch hier nur das Warten auf die umfassende Revision der Gattung wie zuvor schon einmal diskutiert.

Imponierende Männchen von Myleus schomburgkii. Foto: Enrico Richter

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Augenschmaus (2)

Ein Versuch mit schwarzem Holunder


Derzeit reift überall in der Stadt der schwarze Holunder heran, und natürlich musste auch diese nachwachsende Ressource gleich an meinen Fischen ausprobiert werden.

Die Holunder-Dolde wird sofort als Futter angenommen.

In ihren Heimatbiotopen ernähren sich Myleus-Arten über weite Strecken als spezialisierte Früchtefresser. Was liegt da näher, als den Tieren einmal die Früchte der Saison anzubieten?  Also habe ich eine reife Dolde ins Becken gehängt und nicht lange danach haben die Myleus torquatus das Naschen begonnen. Dabei haben sie unterschiedslos die reifen und unreifen Beeren gefressen.

Laut Wikipedia enthalten unreife Holunderbeeren ein Gift namens Sambunigrin, das bei Vögeln Verdauungsstörungen und Erbrechen auslöst. Auch bei den Fischen scheint es irgendeine Art Bumerang-Effekt gegeben zu haben. Zwar haben sie keine äußeren Anzeichen von Unwohlsein gezeigt, gleichwohl die an den folgendenen Tagen angebotenen Holunderdolden nicht mehr angerührt.

Das ist schade, zumal es ja zunächst nach einer Erfolgsgeschichte aussah, aber den Versuch war es allemal wert.