Taxonomie

Das Erbe des schreitmuelleri


Vierzig Jahre nach GOSLINEs Revision der Gattung Metynnis herrscht noch immer heillose Verwirrung bezüglich der vermeintlichen Identität von Metynnis altidorsalis und Metynnis hypsauchen. Vor gut zehn Jahren stellten ZARSKE und GÉRY eine neue Revision vor, die das richtiggestellt hat. Jedoch hat es den Anschein, als müssten noch 30 Jahre vergehen, bis sich das Durcheinander legt.

Metynnis altidorsalis_male_adult

Ausgewachsenes Männchen von Metynnis altidorsalis.

Am Anfang der Geschichte stand Schreitmüllers Scheibensalmler. Dieser stand nomenklatorisch gesehen von Beginn an unter einem schlechten Stern, weil SCHREITMÜLLER diese Art als Metynnis calichromus schreitmuelleri und damit als Unterart einer noch gar nicht beschriebenen Art publiziert hat. Eigentlich ein Desaster.

Männchen von Metynnis hypsauchen. Foto: Enrico Richter.

Später schwamm dieser Fisch über Jahrzehnte als Metynnis schreitmuelleri in den hiesigen Aquarien. Bis STERBA 1969 mit seinem Artikel Zur Systematik der Scheibensalmler die Revision von GOSLINE hierzulande ins Bewusstsein der Aquarianer rückte. GOSLINE hatte 1951 seine Notes on the characid fishes of the subfamily Serrasalminae veröffentlicht, worin er die Gattung auf 6 Arten zusammengestutzt hatte. In diesem Zuge hat der den Namen Metynnis schreitmuelleri eingezogen und mit Metynnis hypsauchen synonymisiert. Das war ein ziemlicher Missgriff!

ZARSKE hat die Ehre des Dickkopfscheibensalmlers wiederhergestellt, indem er -wie in diesem sehr lesenswerten Artikel ausgeführt- der aquaristisch-nomenklatorischen Historie dieses Fisches nachgespürte und ihn als Metynnis altidorsalis identifiziert hat. Anhand der Bilder wird der Unterschied leicht ersichtlich. Sowohl der Habitus der Tiere als auch die Form der Afterflosse erlauben eine leichte Unterscheidung der beiden Arten.

Wenn jetzt noch der falsche Name von den Stocklisten des einen oder anderen Händlers verschwände, wir könnten dann allmählich einmal heraustreten aus dem Schatten des Herrn Schreitmüller.

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Über Metynnis lippincottianus


Metynnis lippincottianus ist innerhalb ihrer Gattung die Art mit den meisten Synonymen. Von Cope 1878 zunächst in die damals noch gebräuchliche Sammelgattung Myletes gestellt, wurde die Art später noch neun weitere Male beschrieben. Darunter von Steindachner als Myletes (Metynnis) orbicularis, von Eigenmann zweimal und von Ahl sogar fünf Mal (eigenmani, dungerni, heinrothi, seitzi, snethlagae). Auf Eigenmann geht der Name Metynnis roosevelti zurück, der seit Goslines Revision von 1951 eigentlich hinfällig und doch auch heute noch gelegentlich anzutreffen ist.

Im deutschen wird die Art leider häufig als „Gefleckter Scheibensalmler“ bezeichnet, was aber mit Blick auf den eigentlich so genannten Metynnis maculatus irreführend ist. Richtiger wäre es, die Art als Lippincotts Scheibensalmler anzusprechen, denn sie wurde amerikanischen Naturforscher James S. Lippincott zu Ehren so benannt.

An und für sich sind die Tiere leicht zu identifizieren: M. lippincottianus gehört zu den gestreckteren Arten, die Höhe beträgt bei ausgewachsenen Tieren ca 80% der Standardlänge (SL). Für die Standortvariante aus französisch Guyana wird sogar eine Höhe von nur rund 70% SL angegeben.

Die Grundfärbung der Tiere ist grün-golden. Die Seiten sind recht gleichmäßig mit Flecken übersät, die mehr oder weniger den Pupillendurchmesser haben. Die unpaarigen Flossen sind kräftig schwarz gesäumt, in der Schwanz- und Rückenflosse auch mit mehr oder weniger kräftigem rot-orange. Auf der Schulter zeigen insbesondere männliche Tiere einen kräftigen orangen Fleck, sowie einen darüber liegenden, aber nur stimmungsabhängig sichtbaren schwarzen Schulterfleck. Die Schwarzanteile können auch durchaus größer werden. Bei aggressiv gestimmten Männchen kann sich die Schwarzfärbung auch auf Bereiche unterhalb der Seitenlinie ausdehnen, was dann etwas an einen Backenbart erinnert.

Dieses Video mit den prunkenden Metynnis lippincottianus finde ich so schön, dass ich es gern noch einmal zeige. Am Ende schwimmt übrigens noch ein Weibchen in die Szenerie. Diese werden ja leider nicht sehr häufig gezeigt.

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Ein unbekannter Metynnis


Diese Fische waren vor einiger Zeit unter der Bezeichnung Metynnis hypsauchen bei OF Aquaristik zu haben. Die letzten fünf Tiere hat ein Bekannter sichergestellt. Aber sind es auch welche?

Angeblich kommen diese Tiere aus Peru, was Metynnis hypsauchen nicht grundsätzlich ausschließt. 1945 wurde diese Art durch Henry Weed Fowler dort dokumentiert. Weitere Belege gibt es meines Wissens jedoch auch nicht. Andererseits sind Händlerangaben zu Fangorten auch notorisch unzuverlässig.

Jetzt lehne ich mich einmal weit aus dem Fenster und behaupte, dass es sich um einen jungen Metynnis orinocensis handelt. Das ist zwar auch kein in Peru vorkommender Vertreter dieser Gattung, und dennoch spricht einiges dafür.

Steindachner (1908) beschreibt den Metynnis orinocensis als „im Profil sehr schwach konvex. Stirngegend stärker konkav.“ Das ursprünglich beschriebene Material ist nicht mehr auffindbar, aber Zarske und Géry haben im Zuge ihrer Revision Syntypen dieser Art identifiziert, also Tiere, die am selben Ort wie das verschollene Typusexemplar gefangen wurden. In ihrer Abhandlung ist ein junger Metynnis orinocensis abgebildet (Katalognummer ZMB 11986), der diesem Exemplar für meine Begriffe erstaunlich ähnlich sieht.

Wenn meine Theorie stimmt, müssten die Tiere später eine relativ gestreckte Körperform annehmen (vgl. hier). In einem Jahr werden sie ausgewachsen sein, dann wissen wir mehr…

Nachtrag: Nach heutigem Kenntnisstand handelt es sich bei diesem Tier eher um ein Exemplar aus dem Formenkreis um Metynnis luna. Dafür spricht der wuchtige Kiemendeckel und die Form der Bauchlinie. Bei Metynnis orinocensis ist der tiefste Punkt viel weiter hinten. Die Nackenlinie dagegen ist eher untypisch. Es bleibt also ein unbekannter Metynnis…

Bei dem Tier handelt es sich vermutlich um einen jungen Metynnis luna. Größe ca 7 cm SL. Foto: Enrico Richter.

 

Der Prädorsalstachel im Bild


In der wissenschaftlichen Literatur (siehe auch hier) findet man immer wieder den Hinweis, dass Scheibensalmler einen Praedorsalstachel aufweisen. Leider ist der aber in der Regel nicht abgebildet.

Dieser Praedorsalstachel ist typisch für die Mehrzahl der Sägesalmler (Serrasalmidae), wobei jedoch die Gattungen Colossoma und Mylossoma die Ausnahmen von dieser Regel darstellen. Sie besitzen nicht diesen vor der Rückenflosse angeordneten Flossenstrahl.

Für die Gattung Metynnis ist dieser isoliert stehende knöcherne Dorn, dessen Aussehen an einen Pflug erinnert sogar namensgebend: griechisch meta (=mit) und hynnis (= Pflugschar).

Metynnis Prädorsalstachel

Der Prädorsalstachel bei Metynnis. Aus: Sterba, Süßwasserfische der Welt.

Bei den einzelnen Arten gibt es Variationen in der Ausprägung dieses Stachels. Das Grundmuster ist jedoch dasselbe. Der hier abgebildete gehört zu Metynnis maculatus.

Wie treffend der Name Metynnis gewählt ist,
sieht man sehr schön an der Abbildung aus dem Illustrirten Wörterbuch der römischen Alterthümer über den Bau des Holzpfluges. Die Schar ist im Bild mit C bezeichnet. Den ganzen Artikel aus dem altertümlichen Lexikon finden Sie hier.

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