Wasser

Der Fisch, der aus der Kälte kam


Metynnis Männchen, Aquarienstamm. Charakteristisch sind die unregelmäßigen Tupfen in der Rückenflosse, sowie der rote Saum der Schwanzflosse.

Aus einem Missgeschick kann man unter Umständen mehr lernen als aus monatelanger Beobachtung. Vor einiger Zeit stand eines meiner Aquarien notgedrungen im Keller. Es war ein harter Winter und der Heizer hatte einen erheblichen Temperaturgradienten zu überwinden. Dem Dauereinsatz war er dann nicht gewachsen und fiel aus.

Da ich nicht täglich nach den Fischen sah, habe ich das erst spät bemerkt. Inzwischen war die Temperatur im Becken auf nur 15 °C gesunken. Bei dieser Temperatur begannen die Geophagus altifrons schon zu kollabieren (sie haben es überlebt). Währenddessen blieben die dort einquartierten Dickkopf-Scheibensalmler, Metynnis altidorsalis, davon ziemlich unbeeindruckt. Auch anschließend waren keine Anzeichen von Krankheit zu erkennen.

Interessanterweise findet sich ein ähnlicher Bericht schon 1967 in der DATZ. Dem Autor, Willy Kreitz, war die Heizung ausgefallen und die Beckentemperatur auf 12 °C gefallen, was seine Metynnis schreitmuelleri (=altidorsalis) unbeschadet überstanden. Er berichtete, dass lediglich die Färbung etwas blasser geworden sei.

Hat jemand ähnliche Erfahrungen, vielleicht auch mit anderen Metynnis- / Myleus-Arten gemacht?

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Sommerupdate


Ein halbes Jahr ist seit meinem letzten Eintrag vergangen. Allerdings ist auch nicht viel aufregendes passiert. In erster Linie wachsen die Fische – wenn sie sich nicht gerade umbringen.

Im Bürobecken paddelt eine gemischte Gruppe aus Metynnis altidorsalis und Metynnis sp. aff. maculatus PERU. Von letzteren haben sich leider zwei in den Fischhimmel befördert. Dem einen hat dazu ein drei Zentimeter breiter Spalt in der Deckscheibe genügt. Bitter. Ein anderer von ihnen hat sich hinter dem freistehenden Mattenfilter festgekeilt und ist darin erstickt. Die Mattenfilter vom HMF-Shop lehnen sich ab einer bestimmten Höhe meist gegen die Scheibe. Im unteren Bereich ist genug Abstand, dass die Fische um den Filter herumschwimmen können. Damit entsteht praktisch an einer Scheibe ein keilförmiger Spalt. Einer der Fische muss in Panik in diesen Spalt hineingedonnert sein (Kopf nach oben) und hat es von dort nicht mehr herausgeschafft. Ein heißer Kandidat für den Darwin Award. Als ich das bemerkte, war es längst zu spät. Für die Beckeneinrichtung heißt das, dass es auf eine gute Abdeckung ankommt und dass ein über die Seitenscheibe gehender Mattenfilter die sicherere Variante der Innenfilterung ist.

Auf diesem Bild ist die Beckeneinrichtung gut zu erkennen.

Das große Becken beherbergt nach wie vor ein Gruppe von 9 Metynnis hypsauchen. Die wachsen recht langsam heran. Die Weibchen liegen jetzt bei knapp 10 cm SL und die Männchen – etwas abhängig von der Rangstufe – ein knappes Drittel darunter. Die vermutlich rangniedrigsten sind knapp halb so groß wie die Weibchen. Die Geschlechter sind schon gut zu unterscheiden und das nicht nur an der Größe… Aktuell experimentiere ich ein bisschen mit dem Futter, um diese schönen Scheibensalmler etwas heranzupäppeln.  Von allen meinen Scheibensalmlern sind die M. hypsauchen am wählerischsten, was ihre Nahrung angeht. Die Söll-Standardflakes werden aber überraschend gut angenommen. Ich hoffe, dass sich dieses Futter mit 41% Protein und 18% Fett gut auf das Wachstum auswirken wird. Aber vielleicht schreibe ich dazu bei anderer Gelegenheit noch mehr.

Chaos mit Erkenntniswert


Gestern hätte ich beinahe meine Fische umgebracht. Nach einen großen Wasserwechsel habe ich das Aquarium mit Wasser direkt aus dem Vollentsalzer gefüllt. VE-Wasser ist sehr kohlensäurehaltig und sollte besser zuvor belüftet werden. Bei einem Wasserwechsel von 20-30 Prozent mit entsprechender Wasserbewegung war das jedoch nie ein Problem.

Diesmal aber habe ich nicht weiter auf meine Fische geachtet und erst in letzter Sekunde bemerkt, dass meine Erdfresser nach Luft rangen, unkontrollierte Bewegungen an der Wasseroberfläche machten und sich entlang der Längsachse überschlugen. Hierbei haben die Männchen sich als wesentlich empfindlicher erwiesen als die Weibchen. Mit sofortiger Zugabe von kalkhaltigem Berliner Leitungswasser, starker Belüftung und Beatmung der schwächsten Tiere (mit dem Kescher an der Oberfläche nahe dem Ausströmer halten) konnte ich alle Tiere retten.

Eigentlich erzählich ich diese Geschichte hier aber, weil sie auch etwas über Scheibensalmler lehrt. Während die Geophagus Männchen schon kollabierten, haben die halbwüchsigen Metynnis hypsauchen zwar heftig geatmet, jedoch keine weiteren Anzeichen von akuter Atemnot gezeigt. Offensichtlich kann diese Art kurzfristig auch starken Sauerstoffmangel tolerieren. Zum Glück!

pH-Wert als Wohlfühlfaktor für Metynnis


Metynnis altidorsalis ist ein durchaus farbenprächtiger Fisch für seine Gattung. Neben den mehr oder minder roten Kiemendeckeln und der ins rötliche spielenden Bauchpartie bei den Männchen haben die After- und Rückenflossen einen Zug ins Rote. Sehr schön ist auch ein vertikal verlaufender roter Strich in der Schwanzflosse, der fast wie ein Saum verläuft. Nur fast, denn der Saum an sich ist tatsächlich eher farblos.

In der Literatur findet man immer die Aussage, dass Scheibensalmler sehr anspruchslos seien bezüglich der Wasserparameter. Dem möchte ich eine Beobachtung entgegenstellen, die ich beim Wasserwechsel mit vollentsalztem Wasser gemacht habe.

Zur Aufbereitung des Wassers kommt bei mir ein Ionentauscher zum Einsatz. Anfangs hat VE-Wasser einen sehr hohen Gehalt an Kohlensäure, wenn es frisch aus dem Ionentauscher kommt. Der pH-Wert kann nach Messungen, die ich angestellt habe, bis auf 5 abfallen und steigt dann im Laufe von 2-3 Stunden auf rund 7,6 an. Warum Weichwasser nicht identisch ist mit saurem Wasser, wird von Olaf Deters sehr schön auf dieser Seite erklärt.

Dabei ist mir aufgefallen, dass sich die Metynnis-Männchen bei dieser Gelegenheit immer sehr farbenprächtig zeigen. Diese Farbigkeit wird nach meiner Einschätzung durch den geringeren pH-Wert stimuliert. Theoretisch kommen noch andere Effekte in Betracht, die die Farbigkeit der Tiere anspornen (der Frischwassereffekt), allerdings bewirkt eine moderate pH-Absenkung mit Salzsäure auch ohne Wasserwechsel denselben Effekt. Vielleicht ist der Effekt auch der Herkunft der Tiere aus den Schwarzwasserflüssen Guyanas geschuldet.

Um den pH-Wert für die Dauer bis zum nächsten Wasserwechsel einzustellen, verwende ich auf etwa 10% verdünnte Salzsäure, die mit einer Waschflasche (gibt es für wenig Geld im Baumarkt) langsam direkt ins Becken zusetze. Dabei muss man nicht unbedingt tröpfchenweise vorgehen, ein paar Spritzer dürfen es schon sein – hier ist aber Augenmaß gefragt und man sollte sich da vorsichtig herantasten. Ein elektronischer pH-Messer ist für diese Übung sicherlich hilfreich. Es sollte übrigens auch nicht unbedingt die Futterecke sein, die für die Zugabe der Säure verwendet wird.

Insgesamt ist die Färbung bei Metynnis altidorsalis sehr stimmungsabhängig und reicht von grün-gold-silbrig bis schwarz-silber kariert. Die Beeinflussung bestimmter Wasserparameter ist daher nur ein einzelner Baustein für Fische, die ihr volles Potential entfalten. Ein Wert von 6,5 oder leicht darunter hat sich jedenfalls als guter Kompromiss für mein Gesellschaftsbecken herausgestellt.